Geschichte

 

Die Anfänge der  jüdischen Gemeinde Telgte reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück; denn im Jahre 1539 erhielt der erste namentlich erwähnte Jude hier Wohnrecht. Im Jahre 1555 bekam der aus Münster ausgewiesene Jude Salomon von Wasungen einen Geleitbrief des Fürstbischofs Franz von Waldeck für Telgte. 

1615 erwarb ein Jude namens Salomon einen Begräbnisplatz  “an de muiren bij der steenporte up den wal“. Das war der Ursprung des jüdischen Friedhofs auf dem Wall am Steintor, der bis ca. 1820 der Gemeinde als Ruhestätte für ihre Toten diente, ehe er zum Wallock am Hagen verlegt worden ist. 1740 wurde erstmals bei einer Gemeinde von vier Familien eine Synagoge mit Schule zwischen Stein- und Emsstraße erwähnt. Das Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz.

1812 war die Gemeinde auf zwölf Familien mit 62 Personen angewachsen. 1875 wurde eine neue Synagoge mit Schule an der Königstraße gebaut, von der leider kein Bild, sondern nur eine Bauzeichnung überliefert ist.

Im Jahre 1933 lebten noch vier Juden mit ihren Familien in Telgte: Max, Hermann und Jakob Auerbach sowie Siegfried Mildenberg. 

Erst in der Nacht vom 10. zum 11. November 1938 wurde die Synagoge abgebrannt, da es der Leiter des hier stationierten Arbeitsdienstes Weber abgelehnt hatte, diese “kalt“ abzubrechen.

1941 meldete der Telgter Bürgermeister, nachdem die Familie des Jakob Auerbach nach Wuppertal verzogen war, Telgte als “judenfrei“.

Im Jahre 1942 wurde der jüdische Friedhof zerstört. Auf dem Friedhof standen 32 Grabsteine; die Gräber lagen rechts und links an einem Mittelweg. Bei der Zerstörung des Friedhofs wurden alle Gräber geschändet und die zerstörten Grabsteine in die Ems geworfen. Der Friedhof wurde anschließend eingeebnet und als Obstgarten genutzt.

Heute hat der Friedhof noch seine ursprüngliche Größe von ca. 70 m², und es stehen wieder zwei Grabsteine dort, von Leni und Moritz Auerbach.

Im Gedenkbuch des Bundesarchivs von 1998 sind die Namen von 33 Opfern des Holocaust aufgeführt, die in Telgte geboren wurden oder hier einmal gelebt haben, unter ihnen die Namen Auerbach und Mildenberg. Die Genannten sind als in Riga, Lodz, Minsk, Izbica, Theresienstadt oder Auschwitz verschollen oder ermordet gemeldet.

Nur vier junge Telgter Juden haben überlebt, weil sie auswandern konnten: Margot und Ilse Auerbach (1938 USA) sowie Hans Mildenberg und Alfred Auerbach (1939 Palästina).

Alfred Auerbach wurde 1988 von der Stadt Telgte als Ehrengast zu den Feierlichkeiten anlässlich der 750-Jahrfeier der Stadtrechte eingeladen. Seitdem besucht er jährlich seine Heimatstadt. Im Jahre 2000 wurde ihm die Stadtplakette der Stadt Telgte verliehen. Ilse Grunewald, geborene Auerbach, hat 1989 mit ihrer Familie zum erstenmal Telgte besucht. Im Jahre 1998 war Fritzi Mildenberg, die Witwe von Hans Mildenberg, mit ihrem Sohn Meir und dessen Frau Siva als Gast in Telgte.